KIRCHE

                                                                                                                                                                                                                                              


Unsere Kirche aus südlicher Richtung betrachtet

Die Wahrstedter St. Petri Kirche liegt auf einer Anhöhe mitten im Dorf. Das Kirchenschiff besteht aus einem gotischen Kreuzgewölbe, das auf Eckkonsolen ruht. Das genaue Alter der Kirche liegt (noch) im Dunkeln, es wird auf ca. 1000 Jahre geschätzt. Belegbar hingegen ist, das die Kirche im Jahre 1764 einen Turm erhielt. Erbauer war Generalmajor Carl Hartwig von Bibow und seine Frau, Gutsherrn von Büstedt. Das barocke Grabdenkmal der Erbauer befindet sich noch heute in der Kirche.

Erwähnenswert ist der Barockaltar von 1678 mit den geschnitzten Holzfiguren, die älter sind als der übrige Altar und von einem Künstler der Renaissancezeit stammen dürfte. Sie zeigen den auferstandenen Jesus, Johannes den Täufer und Moses mit den Gesetzestafeln. Die Gemälde sind von einfacher Art nach Stichen niederländischer Meister angefertigt, wie man sie ähnlich auch in Hehlingen und Jembke findet. Mit diesem Altar besitzt die Wahrstedter Kirche ein Kleinod, um das sie viele beneiden.

 
    Der Altarraum

 

              Moses mit Gesetzestafeln                                                   Das Abendmahl                                                    Johannes der Täufer


Im Jahr 1897 befanden sich  3 Glocken im Kirchturm, wobei die älteste aus dem 16.Jahrhundert stammte. Die beiden anderen stammten aus den Jahren 1808 und 1819. Die zwei jüngeren Glocken existieren heute nicht mehr. Sie sind den Kriegen konfisziert und eingeschmolzen worden. So hatte der Turm Jahrzehntelang nur eine Glocke. Erst 1989 bekam die Wahrstedter Kirche eine zweite Glocke. Die dafür notwendigen Geldmittel, von
18 000 DM, wurden nicht nur aus Kirchenmitteln, sondern auch durch Spenden der Einwohner, anderer Gönner und der Gemeinde Velpke aufgebracht.

                
Die Kirchenglocken, die sich in rund 18m Höhe befinden.


Seit September 1989 wurde Wahrstedt von der Kirchengemeinde Velpke getrennt. Mit den Gemeinden Bahrdorf und Meinkot bildet Wahrstedt seitdem einen Pfarrverband. Um bestehende Verbindungen nicht völlig abreißen zu lassen wurde zeitgleich ein Gesamtpfarrverband gegründet, der aus den Gemeinden Bahrdorf, Meinkot, Wahrstedt, Velpke, Saalsdorf, Mackendorf, Querenhorst und Rickensdorf besteht.

Seit 1897 wurde die vergoldete Kugel der Kirchturmspitze 4 mal geöffnet und mit neuen Dokumenten versehen. Hier findet ihr Auszüge aus den Kugelöffnungen der Jahre 1897, 1932, 1959 und 1991:

KUGELÖFFNUNGEN
                                                                                                                                                                                                                                                                                    
 


Kirchturmspitze mit Kugel und Wetterfahne

In der Kugel auf dem Kirchturm werden bei jeder Kugelöffnung Informationen aus dem Jahr der Öffnung hinzugefügt. Hier Auszüge den Dokumenten der bisher erfolgten 4 Öffnungen:

1. Kugelöffnung im Juni 1897

.......... im Jahre des Herrn 1897, im Monat Juni, wurde das mit Ziegeln gedeckte niedrige Dach des im Jahre 1764 erbauten Turmes der Kirche zu Wahrstedt abgebrochen. Spitze und Knopf hatte der Turm bis jetzt nicht gehabt..........

.......... der zum größten Teil schadhafte Kalkputz der Außenseiten ist bereits entfernt und es soll nun das Mauerwerk mit Zement ausgefugt werden. Die Kirche, deren Inneres im Jahre 1885 neu vermalt ist, wird durch diese Bauarbeiten ein schönes Aussehen gewinnen und eine Zierde des Ortes werden..........

.......... die mittlere von den 3 Glocken, welche keinen guten Klang gab, wurde an die Glockengießer Radtke und Söhne in Hildesheim verkauft. Es wird von diesen eine neue Glocke geliefert werden..........

......... die friedlich, stille Gemeinde Wahrstedt, welche nach der letzten Volkszählung vom Jahre 1895, 326 Einwohner hat, während die eingepfarrte Gemeinde Büstedt 43 Seelen zählt, hat sich im laufe der letzten Jahrzehnte wenig vergrößert..........

2. Kugelöffnung im Mai 1932

.......... die Schieferabdeckung des 1897 erbauten Turmhelms war so schadhaft geworden, ..... beschloss der Kirchengemeinderat..... eine Neueindeckung und zwar mit Kupfer, da Schiefer bei den jetzigen niedrigen Kupferpreisen nicht wesentlich billiger war..........

.......... die Kosten müssen zum größten Teile durch Steuern aufgebracht werden, da das einstige Barvermögen der Kirche in Höhe von rund 15500 Goldmark durch die Inflation nach der Revolution fast ganz verloren ging..........

.......... nach der letzten Zählung im Jahre 1926 hat Wahrstedt 280 und Büstedt 44 Einwohner..........

.......... wir leben jetzt in einer bösen Zeit. Unser Volk ist durch die Tributlasten und die übermäßigen Steuern völlig ausgesogen. Landwirtschaft, Handel und Industrie liegen ganz danieder. Zwangsversteigerungen und Konkurse sind an der Tagesordnung. Jahrhundertealter Familienbesitz geht in andere Hände über. Arbeitslos sind im deutschen Reiche über 6 Millionen..........

3. Kugelöffnung im Oktober 1959

.......... schildert die gegenwärtigen Orts- und Zeitverhältnisse der 482 Einwohner zählenden "Zonenrand-Gemeinde" Wahrstedt, deren Struktur durch die zwischen Büstedt und Oebisfelde verlaufende Zonengrenze gekennzeichnet ist..........

.......... diese Zonengrenze entstand am 1. Juli 1945 und war zunächst lediglich als Demarkationslinie zur Abgrenzung der von den Siegermächten des 2. Weltkrieges besetzten Teile Deutschlands gedacht.......... durch die einseitigen Maßnahmen der sowjet-russisch beeinflussten Ostzone Deutschlands, der späteren "Deutschen Demokratischen Republik", in einen "Eisernen Vorhang" verwandelt.......... das äußere Kennzeichen dafür ist der hohe Stacheldrahtverhau auf der Mitte der Allerbrücke hinter Büstedt..........

.......... ein weiteres trauriges Bild bietet der Wahrstedter Bahnhof an der ehemaligen Strecke Oebisfelde- Helmstedt. Da diese Bahnlinie zweimal von der Zonengrenze durchschnitten wird, wurde sie 1945 stillgelegt..........

.......... obwohl über 80 Werktätige im Volkswagenwerk Wolfsburg sowie in anderen technischen Betrieben in Braunschweig, Vorsfelde und Velpke beschäftigt sind.......... hat das Dorf seinen bäuerlichen Charakter bewahrt. 21 Höfe und sonstige landwirtschaftliche Betriebe bilden immer noch die gesunde Substanz der früheren Jahre..........

.......... die Witterung des Jahres 1959 war durch eine Trockenheit gekennzeichnet, wie sie seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen ist........... die Schomburgriede war ausgetrocknet und auch die Aller wurde zu einem Rinnsal..........

.......... so auch die Erneuerung des Kirchturmdaches der St. Petrikirche, deren Wetterfahne, Turmknauf und Kugel am heutigen 15. Oktober 1959 nach gründlicher Renovierung wieder aufgesetzt werden..........

4. Kugelöffnung im September 1991

.......... im Herbst 1989 am Kirchturm der Wahrstedter Kirche ein größerer Sturmschaden entstanden war genehmigte und finanzierte das Landeskirchenamt in Wolfenbüttel im Frühjahr 1991 die Neueindeckung.........

 .......... nach der Öffnung der Grenzen zur ehemaligen DDR ..........war der Bedarf an Baumaterial und Fachkräften sehr groß, so das sich der Renovierungstermin bis zum September verzögerte..........

.......... von den einst 21 Höfen im Ort existieren nur noch zehn, einer von diesen wird im Nebenerwerb bewirtschaftet.......... ca. die Hälfte aller Wahrstedter arbeiten im VW-Werk in Wolfsburg, das seit 1990 kaum noch die Aufträge Termingerecht erfüllen kann..........

.......... das größte Problem von Wahrstedt ist im Moment die Bewältigung des Verkehrs auf der B 188. Täglich fahren zwischen 8000 bis 12000 PKW durch das Dorf, das vorher 40 Jahre lang nur von den Einwohnern durchfahren wurde..........

.......... da Wahrstedt zur Samtgemeinde Velpke (seit 1972) gehört, wird das politische Leben hauptsächlich von dort bestimmt.......... der Ort hat im Moment 523 Einwohner..........